Mit dem „Armutsrad“ im Gespräch

Tagung zur Halbzeit des Programms „Stark vor Ort“

Tagung zur Halbzeit des Programms „Stark vor Ort“

Mehr als 30 Projekte in ganz Brandenburg werden aktuell durch das Förderprogramm „Stark vor Ort – Soziale Integration armutsbedrohter Kinder und Familien“ realisiert. Vergangene Woche brachten über 100 Mitarbeitende aus diesen Projekten, aus Familienzentren, Beratungsstellen, mobilen Unterstützungsangeboten, dem Jugendamt und dem Ministerium für Soziales und Familie ihre Themen, Bedarfe, Perspektive und Fragen aus der Praxis ein.

Das Programm der Tagung bot neben inhaltlichen Impulsen, verschiedenen Thementischen und einem Podiumsgespräch eine gute Möglichkeit zum Austausch und Vernetzung.


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Mehr als 30 Projekte in ganz Brandenburg werden aktuell durch das Förderprogramm „Stark vor Ort – Soziale Integration armutsbedrohter Kinder und Familien“ realisiert. Vergangene Woche brachten über 100 Mitarbeitende aus diesen Projekten, aus Familienzentren, Beratungsstellen, mobilen Unterstützungsangeboten, dem Jugendamt und dem Ministerium für Soziales und Familie ihre Themen, Bedarfe, Perspektive und Fragen aus der Praxis ein. Das Programm der Tagung bot neben inhaltlichen Impulsen, verschiedenen Thementischen und einem Podiumsgespräch eine gute Möglichkeit zum Austausch und Vernetzung.

Auch das Büro KINDER(ar)MUT des AWO Bezirksverband Potsdam e.V. war mit Kolleginnen aus dem Projekt „Gemeinsam wachsen“ mit dabei. Das durch „Stark vor Ort“ geförderte Projekt ergänzt das bisherige Unterstützungsangebot des Büro KINDER(ar)MUT um einen ganzheitlichen Bildungsansatz zur Armutsbekämpfung und Familienstärkung. Ziel unseres Projektes ist es, Kinder und Familien in Elterncafés, durch gezielte Bildungsangebote, (natur-)pädagogisch begleitete Erlebens- und Lernangebote sowie Familienreisen zu unterstützen, Bildungsarmut zu reduzieren und das Selbstwertgefühl sowie die Lebensqualität der Kinder und Familien zu verbessern.

Prof. Dr. Johannes Schütte, Leiter des Instituts für Sozialpolitik und Sozialmanagement der TH Köln, sprach zum Thema „Armutssensibles Handeln in der Arbeit mit Familien, Kindern und Jugendlichen“. Damit griff er ein Thema auf, das später an dem von uns betreuten Thementisch mit den Teilnehmenden weiter besprochen und vertieft werden konnte. Schütte machte in seinem Vortrag deutlich, dass Armut in Deutschland ein konstantes Problem ist. Wobei in den letzten Jahrzehnten eine kontinuierliche Steigerung zu beobachten ist. Kinderarmut ist kein abstraktes Problem, sondern hat reale Auswirkungen auf das Leben der Kinder: ihre materielle, kulturelle, soziale und gesundheitliche Lage ist eingeschränkt. Aufwachsen in Armut bedeutet täglich sozialen Ausschluss: Alltägliche Dinge wie Sportvereine, Schwimmkurse oder Kino- und Zoobesuche werden oft unerschwinglich. Am Beispiel der Wahl eines in die Kita mitgebrachten Geburtstagskuchens zeigte er auf, dass bereits kleine Dinge, die selbstverständlich erscheinen, viel über die finanzielle Situation einer Familie aussagen. Kinder merken früh, wie viel Geld die Familie hat, ziehen sich häufig sozial zurück, weil Armut ausgrenzt und beschämt.

Schütte verwies deutlich auf die AWO ISS-Studie zur Kinderarmut. Die Langzeitstudie, die von 1997 bis 2020 lief, zeigt, dass Kinderarmut das Risiko erhöht, auch später negative Folgen zu erleben: Erwachsene, die in Armut aufgewachsen sind, haben oft schlechtere Gesundheitszustände, erreichen seltener Schul- und Studienabschlüsse, finden schwerer ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt und können so ihren Lebensunterhalt weniger zuverlässig bestreiten.

Daher sei es insbesondere in Hinblick auf die Frage, wie Kinder und Familien in Armut mit den präventiven Angeboten eines Förderprogrammes wie „Stark vor Ort“ erreicht werden können, wichtig, die Bedürfnisse der Familien im Fokus zu haben, weniger die institutionelle Praxis. Ein Thema, dass auch an den verschiedenen Thementische mit den Schwerpunkten Bildung, Alleinerziehende, Armutssensibilität, Ländlicher Raum, Gesundheit, materielle Versorgung und kinderreiche Familien am Nachmittag immer wieder aufgegriffen und mit Erfahrungen aus der Praxis angereichert wurde.

An dem von uns geleiteten Thementisch zur Armutssensibilität wurde mit unserem „Armutsrad“ anhand von Fragen und Beispielen aus den Bereichen Bildung, Versorgung, Teilhabe, Sozialpolitik und mehr der Blick hin auf die eigene Sicht auf Armut und das eigene Handeln und Erfahren in der täglichen praktischen Arbeit mit betroffenen Kindern und Familien gerichtet.

Die Projekte aus dem Programm "Stark vor Ort" werden gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

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